Armut in Deutschland

Donnerstag, 29.Jan.2009

Wie ich den Off-Topic Kommentaren aus dem Lippstadt-Blog entnehmen konnte, handelt es sich bei dem Thema “Armut in Deutschland” für viele um eine große Sache. Jetzt möchte ich meinen Standpunkt dazu auch mal äußern.

Mit Sicherheit gibt es in Deutschland Armut. Wobei es wirklich schwierig ist Armut zu definieren. Für mich bedeutet Armut, das ich nicht genug Geld habe um die Grundbedürfnisse zu decken. Nahrungsmittel, Gesundheit, Hygiene und natürlich ein Dach über dem Kopf. Meiner Meinung nach kann das jeder in Deutschland haben. Wer in Deutschland arbeitslos wird oder  niemals gearbeitet hat, kann zum Amt gehen und Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe in Anspruch nehmen. Klar, ist das nicht viel. Aber man soll ja mit dem Geld gerade das Nötigste bezahlen können. Denn wer nichts zum Bruttosozialprodukt beiträgt, kann auch keinen Reichtum erwarten.

Wer sich dafür zu fein ist, kann schon mal nicht berücksichtigt werden. Denn dann fällt diese Form von Armut unter Eigenverschulden. Wer vor seiner Arbeitslosigkeit Schulden gemacht hat und diese auf einmal nicht mehr abtragen kann, wird im Notfall die Möglichkeit der privaten Insolvenz geboten. Warum es Menschen ohne Wohnung in Deutschland gibt, ist mir immer noch ein Rätsel. Jedem in Deutschland der es sich nicht leisten kann, wird eine Wohnung bezahlt. Auch wenn sie sehr klein ist. Aber wenn man Nichts hat, sollte man mit Etwas zufrieden sein.

Als nächstes habe ich hier ein grobe Aufschlüsselung des ALG 2 Regelsatzes (Alleinstehender):

Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren: ca. 131 Euro
Das sind am Tag (Monat mit 30 Tagen) ca. 4,40 €. Das sollte reichen wenn man nicht gerade den Anspruch hat bei McDonalds zu Essen oder alles frisch vom Metzger zu holen. Tabakwaren ist natürlich so ein Sache. Rauchen ist ein Laster was man sich dann wohl sparen sollte.

Bekleidung und Schuhe: ca. 35 Euro
Obwohl ich arbeiten gehe, kaufe ich mir alle 2 – 3 Monate mal ein paar neue Klamotten und gebe dafür vielleicht 200 Euro aus.

Gesundheitspflege: ca. 14 Euro
Praxisgebühr entfällt bei ALG 2 übrigens.

Verkehr: ca. 20 Euro
Da man nicht berufstätig ist, braucht man auch keine Monatskarte. Und niemand kann mir erzählen das er im Monat 4 Bewerbungsgespräche hat, zu denen er mit der Bahn fährt.

Freizeit, Kultur und Unterhaltung: ca. 38 Euro

Beherbergungs- und Gaststättenleistungen: ca. 10 Euro

Nachrichtenübermittlung (Telefon, Fax, Briefpost u.ä.): ca. 21 Euro
Anschlussgebühren entfallen für ALG 2 – Empfänger. Damit kann man sich eine Telefonflatrate leisten und ist so immer erreichbar.

Bei dieser Aufschlüsselung fehlen noch ca. 80 Euro (Möbel o. Haushaltsgeräte, Wohnungsnebenkosten und Sonstiges) da der Regelsatz bei 345 Euro liegt. Ein Ehepaar erhält nicht das doppelte, da gewisse Ausgaben wie Telefon oder Möbel nicht zweimal gezahlt werden (Da man ja z.B. die selben Möbel und das selbe Telefon nutzt). Jetzt würde mich interessieren wofür deutlich zu wenig bezahlt wird. Meiner Meinung nach ist das nicht viel Geld aber es reicht zum überleben. Und es ist ja auch eigentlich nur für einen kurzen Zeitraum gedacht. Es soll ja nicht so viel sein, das man nie wieder auf die Idee kommt arbeiten zu gehen. Das eigentliche Problem ist nämlich nicht, das das Arbeitslosengeld zu wenig ist, sondern der Lohn bzw. das Gehalt was man bekommt wenn man arbeiten geht.

PS: Ich habe eine zeitlang selbst ALG 2 bezogen und rede also nicht von “oben herab”.

  1. Hilfe, du wirst ja richtig politisch :-)

  2. anna sagt:

    guckstu hier….kann ja nicht alles erfunden sein, oder?

    http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,598052,00.html

  3. Pisi sagt:

    Ok, ich gebe dir in dem Punkt recht, das es falsch ist Kindern nur 60% des Geldes zu zusprechen. Nur mal was anderes: Warum sind denn viele Kinder denn so verarmt?
    Es liegt oftmals daran, das die Eltern mit dem Geld sehr sehr schlecht wirtschaften. Noch viel schlimmer finde ich es, wenn Langzeitarbeitslose “lustig” ein Kind nach dem anderen in die Welt setzen und diese vom Staat “durchgefüttert” werden müssen. Es ist nämlich erstaunlich das sozial schwache Familien oftmals die meisten Kinder haben. Und die sind nicht alle vor der Arbeitslosigkeit gezeugt worden. Da wären wir dann schon fast wieder beim Punkt Eigenverschulden, wobei es in diesen Fällen sehr hart klingt weil es um Kinder geht.
    Kinder sind unsere Zukunft? Aber nicht wenn ich als ALG 2 Empfänger 4 Kinder in die Welt setze denen ich nichts bieten kann. Wenn man arbeiten geht macht man sich doch auch oft Gedanken ob es der richtige Zeitpunkt für ein Kind ist. Ich möchte übrigens ausdrücklich betonen das ich hier nicht über alle ALG 2 Empfänger spreche. Was in Deutschland bei vielen fehlt ist einfach der soziale Gedanke. Woher kommt das Geld welches ich erhalte, wie kann ich etwas für die Gesellschaft tun wenn es mir möglich ist, …
    Und abschließend komme ich noch zu einer grundsätzlichen Punkt in Sachen Kinderarmut. Einwandererfamilien werden mitgerechnet. Es ist vollkommen klar, das andere Länder deshalb besser da stehen als Deutschland. Denn dort kann keine Einwandererfamilie Sozialhilfe beziehen. Heißt wider um das wenig Familien aus dem Ausland, die keine Arbeit haben z.B. nach Italien ziehen. Da überlegt man vorher drei mal, da man weiß das es dort keine Sozialhilfe für Nichtstaatssbürger gibt. Ich kann ja auch nicht nach z.B. Spanien auswandern und damit rechnen wenn ich keine Arbeit finde, kommt der spanische Staat für mich auf. Also, kann man Deutschland eigentlich fast gar nicht mit anderen Ländern vergleichen weil wir ein einzigartiges Sozialsystem haben.

  4. AndreasK sagt:

    @Pisi: Ich kann mich täuschen, aber ich glaube Du vermischst zwei Dinge. Die Einstellung vieler Bürger zum Thema “Kohle vom Staat” ist – wie Du erwähnst – nicht korrekt. Da gebe ich Dir recht. Für mich wäre im Falle einer Arbeitslosigkeit ein Gang zur Arbeitsagentur nicht der erste, sondern der letzte Schritt – bevor ich mir von der Gemeinschaft helfen lasse, versuche ich erstmal selbst wieder auf die Beine zu kommen. Und das so schnell wie möglich, ohne zu schauen, ob mir der eine oder andere Job zu 100% zusagt.

    Viele denken eben nicht so. Aus einer Verbitterung über diese Tatsache allerdings eine Definition für Armut abzuleiten, die Robert Mcnamanara “absolute Armut” nennt (http://de.wikipedia.org/wiki/Armut#Definitionsans.C3.A4tze), wäre für mich nicht in Ordnung. Wut im Bauch ist halt ein schlechter Ratgeber und man darf nicht vergessen, dass es schlicht insgesamt nicht so viele Jobs gibt wie Menschen gerne einen hätten. Oder die einen annehmen können, wie ich als Sohn einer geschiedenen Frau mit zwei Kindern noch sehr gut weiß.

    Aus wirtschaftsethischer Sicht (zumindest, wenn man Homann-Anhänger ist) kommt noch eine weitere Komponente der hinzu, und zwar die Arbeitslosigkeit, welche aufgrund von Fortschritt entsteht. Fortschritt ist einer Marktwirtschaft gewünscht und bringt Wohlstand, aber auch “Verlierer” mit sich. “Opfer” dieses Systems direkt am Rand der absoluten Armut zu parken, kann man sich nicht lange leisten, ohne irgendwann gelyncht zu werden – vom geparkten Volk, versteht sich ;o)

    @anna: “aus gutem grunde verzichte ich fürderhin auf jegliche verlinkung – wer augen hat und den verstand zu lesen, der lese”.
    Was auch immer noch im Juni 2007 der gute Grund war, er scheint heute nicht mehr zu existieren ;o)

  5. Pisi sagt:

    Eigentlich ging es mir auch vorrangig darum, zu sagen das schon einige Faktoren zusammen kommen müssen, damit man “arm” ist. Denn der Staat unterstützt schon an vielen Stellen. Hier kommen wir auch wieder zu einem Punkt den ich im Artikel Kinderbonus und Abwrackprämie erwähnt hatte. Der Staat muss sich viel mehr darum kümmern den Menschen früh genug Möglichkeiten zu geben, eigenes Kapital zu erwirtschaften. So braucht er später auch nicht für alles in die Bresche springen.

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